
Einmal Afrika und zurück
„Wo ist eigentlich Banjul?“ – mit dieser Frage begann eines der größten Abenteuer meines Lebens.
Durch meinen Cousin lernte ich das Projekt Rallye Dresden Dakar Banjul vom Breitengrad e.V. kennen. Mit einem Auto auf eigener Achse nach Gambia (Banjul), dieses dort zum guten Zweck versteigern und dann mit dem Flieger zurück. Dabei durch Länder die man sonst nie sehen würde, Offroad durch die Sahara fahren und am Ende in Banjul am Sandstrand erholen.


Planung ist alles!
Beginnen sollte alles mit der Beschaffung eines Rallyefahrzeuges. Dies fanden wir in Bischofswerda, bauten es selbst zum „rollstuhlgerechten“ Camper aus und tauften es liebevoll auf „Rico“ – nach dem Vorbesitzer. Abenteuerlust und einen kompletten Hausstand zur einmaligen Benutzung waren für uns problemlos beschaffbar – für mich jedoch nur Teil der Planung. Ich musste mir einen Plan machen wie ich ca. 4 Wochen plus Reserven nun ohne jegliche Versorgung und häusliche gewohnter Umgebung reisen konnte. Katheter, Rollstuhl, medizinische Hilfsmittel – alles nicht direkt greifbar.
Der Plan: Nach dem Umbau bunkerte ich sämtliche Katheter und medizinische Hilfsmittel. Jedoch immer mit Bedacht auf die Menge, da ich Reserven zur Sicherheit brauchte aber für die Rückreise klar war, dass es nur einen Koffer geben wird. Somit waren auch etwaige Ersatzteile für Rollstuhl und andere Hilfsmittel für beispielsweise Toilettengänge nicht für die Rückführung vorgesehen.

Auf geht’s!
Die erste Woche führte uns Stück für Stück durch Österreich, Italien, Frankreich, Andorra und Spanien. Dabei sah man gelegentlich schon andere Teams bis es zur ersten kompletten Vereinigung auf einen Zeltplatz im Süden Spaniens kam. Bis hierher konnte man den europäischen Standard noch genießen und sich auf eine solide Rollstuhlgerechtigkeit verlassen. Selbst jegliche Versorgung wäre mit Express möglich gewesen.
Nun schippern wir nach Afrika. Nach dem Übersetzen mit der Fähre nach Marokko sah die Welt nun etwas anders aus. Die Fährüberfahrt an sich mit dem gesamten Rallyetross dachte ich wird die erste große Herausforderung. Allerdings funktionierte das hektische Boarding reibungslos und auch auf dem Schiff waren alle Gegebenheiten gegeben. Nur wichtig war sich einen kleinen Vorrat an Versorgung anzulegen, da der Zugang zum Auto während der Überfahrt untersagt ist.
Quer durch Marokko mit all seinen Gegebenheiten.
Nun ging es in Kleingruppen eine Woche durch Marokko, wo man unentdeckte und für mich auch unerwartete Schönheiten des Landes entdecket hat. Wir sahen die Ouzoud Wasserfälle, die Stadt Marrakesch, die bunten Felsen bei Tafraoute, das Tal von Ait Mansour und vieles mehr. Übernachtet wurde auf Zeltplätzen oder auch einmal im Stil des Wildcampings. Man merkte hierbei deutlich den Unterschied zu Europa. Ein Zeltplatz war auch nur ein Zeltplatz und nicht mehr. Barrierefreiheit wurde hier ganz anders oder auch gar nicht gedacht.
- Teilweise unbewusst vorteilhaft – im Sinne, warum eine Treppe bauen, wenn eine Rampe viel einfacher ist.
- Oder teilweise nachteilhaft wobei man nur nicht bis zum Ende dachte. Bspw. eine ebenerdige Dusche mit einer Stufe am Eingang des Waschraumes.
Ich fühlte mich trotzdem immer gut versorgt, da wir mit unseren Camper und meiner Planung immer eine gute und sichere Basis geschaffen hatten.
Zusammenführung des Rallyetross und ab ins Niemandsland
Erste Offroaderfahrung gab es dann bei der Anfahrt des Treffpunktes „Le Camp Bédouin“. Hier ging es nun über eine nur zu erahnende Straße, durch Sanddünen und vorbei an Steinen die den Verlauf der Straße markieren sollten. Belohnt wurde das mit einem 3-Gänge-Menü mitten in der Wüste.
Nach einer „Shoppingtour“ in Dakhla, die Großteils dafür angedacht war Wasser und Vorräte aufzufüllen und die Fahrzeuge Wüstenfest zu machen, ging es zum Grenzübertritt nach Mauretanien. Dieser kann bekanntlich zwischen 5 Minuten und vielen Stunden dauern. Interessant außerdem für mich, da sich die Frage stellte wie man mit den Toilettengängen und allem anderen auf offener Straße bei heißen Temperaturen zurechtkommt. Glücklicherweise war unser Übertritt in nur wenigen Stunden erledigt und wir konnten schnell einreisen und nun die Straße verlassen – auf die Sandpiste.


Quer Sand ein durch die Sahara und durch das ärmste Land der Welt
Einige Tage völlig ohne Mobilfunk, Internet und sämtlicher Infrastruktur – einfach Mega. Über festen Boden, kleine Gestrüppe und lose Sanddünen führte der Weg durch die Wüste, wo sich gelegentlich manche Fahrzeuge auch festgefahren haben und durch Muskelkraft wieder „gerettet“ werden mussten. Durch den teilweise festen Sand war die Beweglichkeit für mich trotz allem machbar und hier zeichnete sich auch einmal mehr unser 8m² Wohnung auf 4 Rädern aus. Ein Beweis, dass man mit der richtigen Versorgung und Planung auch komplett autark ein paar Tage auskommen kann.
Zurück aus dem Niemandsland und angekommen in Nouakchott, die Hauptstadt von Mauretanien, gab es ein Hotel mit Pool und nahezu barrierefreien Zimmer zur Erholung. Nach einem Ruhetag und einen Sightseeing-rundgang durch die Stadt, gab es am Abend ein köstliches Fischbuffet. Kulturell war die Stadt nur beschränkt ein Highlight, trotz dessen gab es viele andere verblüffende Dinge zu sehen.
Durch den Senegal bis ans Ziel nach Gambia
Weiter ging es nach Saint-Louis. Über eine Dammstraße durch einen Nationalpark führte die Reise fort. Dabei sah man immer wieder ein paar wilde Warzenschweine und Dromedare. Im Senegal spürte man deutlich den französischen Einfluss und einen wieder gehobenen Standard. Ebenfalls bei einem folgenden Ruhetag und Stadtbummel in der Stadt bemerkte man das hier mehr „Leben“ war, mit verschiedenen Bars, Shops und Taxis.
Der letzte Fahrtag hatte es nun nochmal in sich. Es ging über sogenannte Waschbrettpisten, wo man ordentlich durchgeschüttelt wurde und heiße und staubige Etappen. Letztendlich sind wir nach 20 Tagen Reisezeit am Ziel Banjul angekommen und wurden dort von der Organisation empfangen.
Projekte, Erholung und mit dem Flieger zurück.
Ab hier hatte ich mit einem Hotelzimmer wieder die gewohnte Sicherheit für alle meine Bedürfnisse und der Gedanke wo man Abends ankommt und was einen erwartet verflog sofort. Wir schauten noch verschiedenste Projekte an wo das Geld der versteigerten Autos eingesetzt wird. Diese Tagesausflüge gingen unter anderem zu Schulen, Krankenstationen, Werkstätten und Gastronomien.
Nach einigen weiteren Tagen Erholung im Hotel ging es mit den Flugzeug über Lissabon nach Prag zurück, wo uns ein Freund abholte.
Fazit: Grenzen sind zum Brechen da.
Ich bin definitiv gewachsen mit dieser Reise und es zeigt das mit Planung nahezu alles möglich ist. Als Basis hatte ich immer unsere 8m² Wohnung in der ich alles hatte. Somit fühlte ich mich zu jeder Zeit sicher und hatte immer einen Plan B, falls die Grenzen mal zu groß erschienen. Im Nachhinein hat man aber gesehen, dass der Plan B gar nicht so häufig nötig war und es immer eine Sache der Kompromissbereitschaft war.
Würde ich es wieder tun?
Selbstverständlich!

Mehr Informationen zur Rallye findet Ihr auch unter https://www.rallye-dresden-dakar-banjul.com/category/rallye-april-2022/